Die Geschichte

Vor knapp 60 Jahren hat die Familie Vey, in ganz bescheidener Form, an diesem geschichtsträchtigen Ort eine kleine Gaststätte eröffnet.

Der damalig große Renner an der Schwedenschanze war – gastronomisch gesehen – der Verkauf von selbstgemachter Erbsensuppe: „Einmal mit oder ohne Würstchen?“, so lautete die Frage der Wirtsleute. Dazu tranken die Kinder ihre Limo und die Erwachsenen ihr Bier aus Flaschen, die mit dem heute wieder in Mode gekommenen Bügelverschlüssen versehen waren.

In den kommenden Jahren entwickelte sich der Gasthof Schwedenschanze vom Hüttenbetrieb hin zum beliebten, gemütlichen Berggasthof. Später hat die Familie Heun die Gaststätte übernommen.

Die Schwedenschanze bildete zusammen mit dem Schwedenwall während des Dreißigjährigen Krieges eine Befestigungsanlage, um die Straßen Bischofsheim – Gersfeld überwachen zu können. Heute sind noch Reste der Schwedenschanze auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes erkennbar.

Wenn das Wort „Schwedenschanze“ fällt, denkt man sofort an den Reesberg. Beide Begriffe sind eng miteinander verknüpft. Man braucht nur über die B279 zu gehen, so kommt man auf der Panzerstraße in das ehemalige Skigelände des Reesberges, das heute als Militärschutzgebiet Wildflecken ausgewiesen ist.

Der Reesberg war immer schon schneesicher. Deshalb, und weil das Skigelände alpinen Charakter hat, war der Reesberg von je her der Lieblingsberg aller Wintersportler. Die Eisenbahnstrecke Fulda – Gersfeld war in den 50iger-Jahren an den Wochenenden immer überfüllt. Von Gersfeld ging es dann zu Fuß, die Skier geschultert, über Sparbrod zum Reesberg. Die hessischen Skimeisterschaften wurden hier ausgetragen. Die hochalpine Abfahrtsstrecke verlief vom Gipfel des Reesberges durch gehauene Schneisen in nördlicher Richtung zum Kalbenhof. Auch der Torlauf wurde auf dieser Strecke (Olympiahang) ausgesteckt. Auf der Westseite des Reesberges war die sensationell große Sprungschanze mit etwa 70 m Sprungweite gebaut worden. Sie fand bei Akteuren und Zuschauern großen Anklang.

Wegen diesen vielen Zuschauern und Sportlern richtete, wie eingangs erwähnt, die Familie Vey Anfang der 50er Jahre die Gaststätte „Zur Schwedenschanze“ ein. Ende der 50er-Jahre fiel das tolle Skigelände am Reesberg dem „Truppenübungsplatz Wildflecken“ zum Opfer. Dadurch bedingt trat auch ein Rückgang der Gastronomie am Gasthof ein.

Die gesamte Größe des Truppenübungsplatzes Wildflecken, der schon 1937-1938 angelegt wurde, beträgt 6.000 ha. Ihm fielen damals nicht nur die Dörfer Kippelbach und Dalherda als ehemalige preuß.(hess.) Dörfer zum Opfer, im Bayerischen waren es sogar 13 Orte, darunter so bekannte wie: Reußendorf, Altglasshütten, Werberg, Silberhof, auch Teile von Kothen, Motten, Oberweissenbrunn und Wilflecken, die ausgesiedelt und abgebrochen wurden. Reußendorf, Werberg und Dalherda waren militärwirtschaftlich betrieben und blieben erhalten. Alle anderen Siedlungen gingen zugrunde. Am 01.04.1951 erst wurde die Gemeinde „Neuwildflecken“ gegründet.